3½ - Wer hier Aufwacht, existiert nicht mehr
Es gibt einen Ort, den kein Bauplan kennt. Und eine Kälte, die niemals schläft.
Eine mörderische Hitzewelle erstickt die Kleinstadt Werne. Als die Notärztin Dr. Hannah Venn einen ertrunkenen Jungen im überlasteten St.-Christophorus-Hospital versorgen will, bleibt der Lastenaufzug stecken: zwischen dem dritten und vierten Stockwerk.
Hinter den Türen liegt kein Schacht, sondern eine gefrorene Zwischenwelt aus vergilbten Fliesen, Grubenschlick und absolutem Stillstand: Ebene 3½.
Hier atmet das Vergessen. Vierzig reglose Körper, gefangen in ewiger Kältestarre, dienen einem uralten Pakt der Zeche als biologische Schutzwand gegen das hochkochende Grubenwasser der Tiefe. Unter ihnen entdeckt Hannah ihren eigenen Bruder Daniel – spurlos verschwunden im Sommer 1999, noch immer elf Jahre alt und beatmet von einer unbarmherzigen Wächterin.
Um Daniel an die Oberfläche zu holen, muss Hannah nicht nur das mörderische Schweigen der Klinikleitung brechen, sondern tief in den verlassenen Schacht IV hinabsteigen. Denn wer hier unten erwacht, existiert in der Welt da draußen längst nicht mehr.
Die Schächte des Ruhrgebiets mögen versiegelt sein. Doch die Sole unter unseren Füßen schläft nie.
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